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Martina Hefters Roman ist der Gewinner des Deutsches Buchpreises 2024. Der Roman erzählt die Geschichte der Leipziger Performance-Künstlerin Juno, die ihren an MS erkrankten Mann pflegt und gleichzeitig mit finanziellen sowie emotionalen Belastungen kämpft. In schlaflosen Nächten beginnt sie Gespräche mit Love-Scammern auf Instagram, besonders mit Benu aus Nigeria. Obwohl sie weiß, dass er ein Betrüger ist, nutzt sie die Chats als Rollenspiel und Flucht aus ihrer Realität. Doch wer manipuliert hier wen?
Der Roman hat einen innovativen Stil. Eine Mischung aus dokumentarischer Nüchternheit und poetischen Passagen, die Junos Gedankenwelt widerspiegeln. Die Sprache ist Melancholisch, humorvoll und fesselnd. Selbst für mich als nicht deutschsprachige Person ist das klar. Es reflektiert über viele Themen wie Machtverhältnisse, Kapitalismus, Barriere Freiheit und emotionale Ausbeutung – in digitalen und realen Beziehungen. Love-Scamming als selten behandeltes wird genau genug genutzt.
Trotz allem habe ich nicht verstanden warum war es so toll dass, es den deutschen Buchpreis 2024 gewonnen hat.
Der Buch ist einfach langweilig! Oder wie Autorin gerne erwähnt: melancholisch! Darf man aber Melancholie melancholisch erzählen?
Die sich wiederholenden Chat-Verläufe mit Benu machen den Roman langatmig. Vor allem sind die Chats nicht mal richtig entwickelt. Statt die zu schreiben hätte man auch schreiben können: „Sie haben 6 Minuten lang miteinander gechattet“ und es hätte sich gar nichts geändert!
Das Buch geht in seinem Netzwerk von Themen verloren. Viele Themen werden angerissen, aber nicht tiefgehend behandelt. Die Themen kann man garnicht zu einander verbinden. Es sieht so aus, als ob man möchte gerne was damit sagen, hat man aber keine Lust es weiter zu erklären.
Juno bleibt für mich als Frau, als Leipziger und als Mensch unnahbar, die Beziehung zu ihrem Mann blass. Man könnte annehmen Jupiter sei seine Vater, Brüder, Oma, Freundin und es hätte sich nichts in dem ganzem Buch geändert! Das ist für so eine sensible Beziehung (einen partnerschaftlichen Zusammenleben) gerade mit jemandem der unter eine Behinderung leidet sehr schwach und schade fürs Buch.
Das Thema Love-Scamming ist innovativ und spannend aber gibt es auch literarisch genug her? Denke ich nicht. Das baut bloß einen Rahmen, dient aber die Thematik dieses Buchs nicht unbedingt.
Auf der erste Seite steht dass, das Buch vom Freistaat Sachsen gefördert wurde. Da frage ich nicht als einer Leipzigerin: wo reflektiert sich so eine schöne, lebendige, vielfältige Stadt in die Geschichte? Wie wird es erwähnt mehr als 3-4 Namen: Haltestellen, Krankenhaus, Stadtviertel! Die Stadt bleibt im Hintergrund, ohne spürbare Atmosphäre.
Das Ende ist jedoch prächtig:
"Solange ich spiele, passiert nichts.
Dieser Spruch würde irgendwann auf einem ihrer über einen Meter langen Beine landen.
Juno liebte ihre Beine."
Da musste ich sofort auf dem Lied von "von wegen Lisbeth" denke- Wenn du tanzt:
"Dass diese Welt nicht zusammenfällt, liegt nur
An deinen Beinen, wenn du tanzt!
Allein an deinen Beinen"
Aber entschädigt ein großartiges Ende für einen fehlenden Höhepunkt?
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